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  • AutorenbildLeonie Meil

Koffein und Hormone: Warum Kaffee kein Frühstück ist

In der heutigen schnelllebigen Welt greifen viele Menschen morgens zuerst zu einer Tasse Kaffee, oft auf Kosten eines ausgewogenen Frühstücks. Während Kaffee zahlreiche Vorteile bietet, ist es wichtig, die Auswirkungen auf den Hormonhaushalt und den allgemeinen Stoffwechsel zu berücksichtigen. Ein genauerer Blick auf die biochemischen Prozesse im Körper zeigt, warum ein nahrhaftes Frühstück am Morgen entscheidend ist und nicht durch Kaffee ersetzt werden sollte.


Koffein und die Stressreaktion

Bei Stresssituationen schüttet der Körper Adrenalin aus, das sogenannte "Kampf- oder Flucht-Hormon". Dieses Hormon bereitet den Körper darauf vor, schnell zu handeln, indem es die Herzfrequenz und Atemfrequenz erhöht sowie die Energiereserven mobilisiert. Adrenalin wird durch den Sympathikus, einen Teil des autonomen Nervensystems, freigesetzt und stellt die erste Phase der Stressreaktion dar. Diese akute Stressreaktion hilft uns, kurzfristig leistungsfähig zu bleiben.

Wenn der Stress länger als 15 Minuten anhält, tritt das Hormon Cortisol auf den Plan. Cortisol unterdrückt die akuten Stresssymptome wie Herzrasen, indem es den Körper langfristig auf Stress vorbereitet. Es sorgt für die Energiebeschaffung und -speicherung und beeinflusst somit auch Hunger- und Sättigungshormone. Bei chronischem Stress führt Cortisol zu einem erhöhten Blutzuckerspiegel und kann Insulin blockieren, was besonders bei PCOS mit Insulinresistenz, Schwangerschaftsdiabetes oder Diabetes mellitus Typ 2 relevant ist.


Die Rolle von Koffein bei Stress

Koffein, das weltweit am häufigsten konsumierte psychoaktive Stimulans, wirkt auf das zentrale Nervensystem und erhöht die Freisetzung von Katecholaminen. Es blockiert die Adenosin-A2A-Rezeptoren im Gehirn, die für viele Stresssymptome verantwortlich sind. Dies führt dazu, dass Koffein die Aufmerksamkeit steigert und das Gedächtnis aktiviert, während es gleichzeitig typische Stressfolgen mindert.

Untersuchungen zeigen, dass niedrige bis moderate Koffeindosen die HPA-Achse (Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse) aktivieren, ohne die endokrine Reaktion auf Stressreize wie laute Geräusche signifikant zu verändern. Hohe Koffeindosen können jedoch die Plasmahormonspiegel über einen längeren Zeitraum erhöhen, was zu einer verstärkten Stressreaktion führen kann.


Koffein und der weibliche Hormonhaushalt

Der Hormonspiegel im weiblichen Körper, insbesondere während des Menstruationszyklus, beeinflusst die Ausscheidung von Koffein. In der Lutealphase, die kurz vor der Menstruation liegt, wird Koffein langsamer aus dem Körper ausgeschieden. Dies führt zu einer erhöhten Koffeinakkumulation, was bei wiederholtem Konsum über den Tag hinweg zu einer stärkeren Stimulierung führen kann. Das gleiche gilt auch während einer Schwangerschaft.


Warum Kaffee dein Frühstück nicht ersetzen sollte (auch wenn du keinen Hunger hast)

Ein morgendliches Frühstück liefert dem Körper die nötigen Nährstoffe, um den Stoffwechsel in Schwung zu bringen und den Blutzuckerspiegel zu stabilisieren. Ohne Frühstück wird der Körper gezwungen, Muskelprotein zu mobilisieren, um Glukose für die Energiebereitstellung herzustellen. Dies kann negative Auswirkungen auf den Stoffwechsel haben und Heißhungerattacken begünstigen. Ich beobachte in sehr vielen Beratungen, dass das ausgelassene Frühstück zu vermehrtem Überessen am Abend führt.

Ohne ein ausgewogenes Frühstück bedeutet eine rein koffeinbasierte Morgenroutine zusätzlichen Stress für den Körper. Dies führt zu einer verstärkten Ausschüttung von Stresshormonen wie Adrenalin und Cortisol, was langfristig zu gesundheitlichen Problemen führen kann.


Fazit

Obwohl Kaffee viele Vorteile bietet, z.B. um die Wachsamkeit zu fördern, sollte er nicht als Ersatz für ein gesundes Frühstück dienen. Ein ausgewogenes Frühstück ist entscheidend, um den Körper mit den notwendigen Nährstoffen zu versorgen und den Stoffwechsel zu unterstützen. Nur so kann man den Tag energiegeladen und stressresistent beginnen.

 

Bei diesem Beitrag hat mich meine Praktikantin und baldige Berufskollegin Andrea Höhlmüller unterstützt. Danke!

 

Quellenangabe:





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